| Charlize Theron |
Cybergirl und Minenarbeiterin
Nein, ein Bond-Girl will sie nicht werden. Ist auch verständlich: Wenn man schon einen Oscar hat, braucht man das nicht unbedingt, um seinen Marktwert zu erhöhen. Charlize Theron hat also abgesagt, zumindest für dieses Projekt, denn zu tun hat sie genug. Bester Beweis: Anfang des Jahres kommen
gleich zwei neue Filme mit ihr in die Kinos. In "Kaltes Land" spielt sie eine junge Frau, die mit ihrer Stärke anderen Frauen Mut macht, sich gegen Diskriminierungen aufzulehnen. Dafür ist sie schon wieder für einen Golden Globe nominiert worden (immer ein Achtungszeichen für die kommende
Oscar-Runde). Ganz anders wiederum ihre Rolle im Science-Fiction-Streifen "Aeon Flux", der auf einer MTV-Trickfilmserie basiert; Charlize Theron agiert als das titelgebende Cybergirl.
Man könnte es auch anders formulieren: Charlize Theron liebt die Abwechslung und bedient mal diese und mal jene Zuschauerschicht. Clever, dann kennt einen am Ende jede Altersgruppe. Aber sie hat ja auch noch jede Menge Zeit. Die Halbwertzeit einer ansehnlichen Schauspielerin ist bei ihr noch lange
nicht abgelaufen. Im vergangenen Sommer ist sie gerade erst 30 geworden. Sharon Stone, die uns demnächst in "Basic Instinkt" wieder die Sinne zu verwirren gedenkt, ist glatte 16 Jahre älter und immer noch gut im Geschäft.
Und wie Sharon Stone stammt die gebürtige Südafrikanerin Charlize auch nicht aus
einer Künstlerfamilie. Allerdings hat sie wohl schon früh ein paar PR-Tricks sehr genau
studiert und sich mit Mythen umgeben, deren Auflösung den geneigten Fan tränenreich seufzen lässt. Da ist zum Beispiel die Sache mit ihrem Vater, der angeblich bei einem Unfall ums Leben kam. Jahrelang hieß das so, dann erfuhr man, dass er auf andere Weise aus dem Leben geschieden war: Mutter hatte
den Alkoholiker aus Notwehr ins Jenseits befördert.
Wer ihr allerdings den Hintern mit dem Kleiderbügel versohlte, ob es die Mutter oder noch der Vater war, bleibt im Verborgenen. Charlize berichtet jedenfalls gern darüber und meint, dafür dankbar zu sein. Sie scheint hart im Nehmen zu sein, die Nachfahrin von Buren, jener berühmt-berüchtigten
nieder- und rheinländischen Sturschädel.
Eine andere Legende zeugt von ihrer Intelligenz. Angeblich beherrscht sie neben dem Englischen und dem Afrikaans noch weitere 25 Sprachen, wohl nicht alle perfekt, aber immerhin. Schwer zu überprüfen. Aber immerhin hat Robert Redford höchstpersönlich der Lady nach ihrer Zusammenarbeit an "Die
Legende von Bagger Vance" bescheinigt, dass sie nicht nur attraktiv und ehrgeizig sei, sondern auch "talentiert, intelligent, sehr selbstkritisch und couragiert". Wer würde ein solches Kompliment nicht gern aus diesem Munde erhalten?
Ihr Weg zum Film schien irgendwie vorgezeichnet zu sein. In der heimischen Bibliothek in der Nähe der Farm, auf der sie lebte, gab es nur 20 Filme, die sie sich immer und immer wieder
auslieh. Von "Splash" behauptet sie, ihn sich wegen Tom Hanks an die 50 Mal angesehen zu haben. Das schult.
Mit 16 nahm sie, natürlich aus reinem Spaß und ohne Siegesabsichten, an einem Modelwettbewerb teil - und gewann. Dann kam auch bald ein Anruf aus Mailand. Dem folgte sie. Allerdings kam der Durchbruch noch nicht, auch wenn sie bereits die Titelblätter großer Modezeitungen zierte. Also ging Charlize
Theron in die USA und versuchte es als Tänzerin. Leider verletzte sie sich das Knie derartig, dass diese Karriere schnell ein Ende fand. Ihre Mutter meinte: Kind, geh nach Los Angeles und werde Schauspielerin. Brav wie sie ist, folgte Charlize der Order, und keine zwei Wochen später (das ist nun
wirklich die Wahrheit und keine Courths-Mahler-Geschichte) kam der Märchenprinz genau in dem Moment, als sie in der Bank einen Aufstand machte, weil ein Scheck nicht gedeckt war. John Crosby bekam diesen Auftritt mit und fragte sie, ob sie nicht als Schauspielerin arbeiten wolle. Dumme Frage, klar
wollte sie, prüfte aber clever erst einmal ab, wer das denn sei. (Unter uns: Der Mann hatte zuvor schon Renee Russo entdeckt.) Dann rief sie zurück, und von da an lief es wie geschmiert.
Mit "Zwei Tage in L.A." gab sie ihr vielbeachtetes Leinwanddebüt. Und zwei Filme später tauchte schon ihr großes Idol Tom Hanks auf. Der verpflichtete Charlize Theron für sein
Regiedebüt "That Thing You Do" über die Rockband The Wonders. Dort spielte sie die Tina, die daheimgebliebe Freundin eines Band-Mitgliedes.
Altmeister Woody Allen gab ihr in "Celebrity" 1998 eine Chance - die Kritiker waren begeistert. Ein Jahr später erhielt Charlize Theron eine erste Oscar-Nominierung für ihre Rolle der Candy in "Gottes Werk und Teufels Beitrag". Wobei sie im gleichen Jahr noch zwei weitere Angebote annahm - "The
Astronaut's Wife" und "Mein großer Freund Joe". Die Frau scheint arbeitsbesessen zu sein, denn ihre Filmografie umfasst inzwischen 26 Filme, an zwei weiteren wird gearbeitet ... Beachtlich für einen Zeitraum von zehn Jahren! Davon träumt so mancher, auch von der Liste jener, an deren Seite bzw.
unter deren Regie sie bereits spielen durfte.
Eines müssen wir noch erwähnen: "Monster". Als Serienmörderin Aileen Wuornos war die Hübsche kaum wieder zu erkennen: Heruntergekommen, hässlich und brutal. Ihr Spiel überzeugte fast alle Preisentscheider der USA, die etwas vergeben konnten. Man überschüttete sie nicht nur mit guten Kritiken,
sondern auch mit Trophäen. Da kamen auch die Academy-Mitglieder nicht drumherum, der erst 25jährigen den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle zuzusprechen. Film-Preise gab es auch danach noch, zum Beispiel für "The Life and Death of Peter Sellers".
Und nun kommen die Theron-Fans erneut auf ihre Kosten. Ab 2. Februar ist die Spielfilm-Version der zu Beginn erwähnten TV-Serie "Aeon Flux" zu sehen. In den USA hat der Streifen zwar nicht den erwarteten Erfolg gebracht - er konnte nicht, wie eigentlich erwartet, Harry Potter abschütteln -, aber das
wird die Cracks nicht abschrecken.
Zum Teil wurde das SciFi-Abenteuer übrigens in Babelsberg gedreht. Es spielt in 400 Jahren. 99 Prozent der Weltbevölkerung sind da bereits ausgerottet, nur in einem eingemauerten und perfekt harmonisierten Stadtstaat ist noch Leben; Wissenschaftler regieren hier. Zuviel der Harmonie, wie eine Gruppe
von Revoluzzern meint. Unter ihnen auch das Cybergirl Aeon Flux alias Charlize Theron. Doch deren Ansichten geraten schließlich ins Wanken, als sie in die tiefsten Tiefen dieser so märchenhaft erscheinenden Welt hinabsteigt ...
Nur eine Woche später erleben wir Charlize Theron in einer ganz anderen Hauptrolle: "Kaltes Land" beruht wieder einmal, wie "Monster", auf der wahren Geschichte der Josey Aimes, die nach ihrer gescheiterten Ehe nach Minnesota zurückkehrt und sich mit ihren beiden Kindern durchzuschlagen versucht.
Ihre Freundin Glory (die wird von einer ganz anderen Traumschauspielerin und Oscar-Preisträgerin gespielt, von Frances McDormand - man erinnere sich an ihre einmalige Polizistin im Kultstreifen "Fargo") vermittelt ihr eine Stelle in einer Eisenmine. Aber nicht die Knochenarbeit dort macht ihr
wirklich zu schaffen, sondern die ständigen sexuellen Belästigungen der Kollegen. Sie wehrt sich und kann auch ihre Kolleginnen davon überzeugen, Gleiches zu tun. So wird Josey Aimes die erste Amerikanerin, die gegen sexuelle Belästigung erfolgreich vor Gericht zieht.
Das macht wohl den ganz besonderen Reiz dieser Schauspielerin aus, dass sie sich so gänzlich unterschiedlicher Rollen annimmt. Und wir werden sie 2006 noch öfters sehen können, denn es gibt zum Beispiel eine Fortsetzung von "The Italian Job". Diesmal ist es ein brasilianischer Job, aber auch den
bewältigt sie wieder an der Seite von Mark Wahlberg. Und dann kommt noch "The Ice at the Bottom of the World", ein Südstaatendrama, das auf zehn Kurzgeschichten von Mark Richard basiert.
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| Wort: Carola Kinzel / Bild: UIP, Warner Bros. |
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