| Women in Jazz |
Ulf Herden, der Jazz und die Frauen
Als Mitte des 19. Jahrhunderts afrikanische und europäische Musik in den USA aufeinander trafen und der Jazz entstand, ahnte noch niemand etwas von Ulf Herden. Als Jelly Roll Morton 1902 behauptete, den Jazz erfunden zu haben, dauerte es noch 54 Jahre, bis Ulf Herden in Halle das Licht erblicken
sollte. Und als Chris Barber 1949 seine erste Jazzband gründete, wusste er nicht, dass Ulf einer seiner größten Fans werden würde.
Wer ist Ulf Herden? Ein Jazzer vor dem Herrn! Einer, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Jazz zu veranstalten. Einer, den die eigene Euphorie zwingt, andere für Jazz zu begeistern, Jazz in seiner Stadt zu etablieren und die Legenden in die Region zu holen. Bis es soweit war, wurde erstmal zur
Schule gegangen. Dann zündete es auf einem Konzert von Chris Barber. In den darauf folgenden Jahren
gelang Ulf der Sprung vom Tellerwäscher zum, na immerhin zum Künstlervermittler und Konzert-veranstalter. Er leitete fünf Jahre lang den Studentenclub Turm, war Programmchef im Capitol, etablierte erfolgreiche Jazzreihen im Neuen Theater, in der Ulrichskirche und in der Oper. In den
letzten 15 Jahren holte Ulf Herden so ziemlich jede noch lebende Legende an die Saale und veranstaltet jetzt mit Partner Kappa und MDR Figaro ein Internationales Jazz-Festival, dessen Anspruch so einfach wie verwegen ist: Von 2. bis 4. Februar treffen sich bei "Women in Jazz" die interessantesten
Frauen der Jazzszene auf der Bühne des Opernhauses. Superstars wie Viktoria Tolstoy (Bild rechts), die Urenkelin des Schriftstellers, oder Jocelyn B. Smith geben sich die Ehre. Euch erwartet ein umfangreiches Programm und ohne Ende Jazz, der sich nicht nur gut anhört, sondern auch gut aussieht.
BLITZ!: Wieso ein Jazz-Festival nur mit Frauen?
U.H.: Mit der Jahrtausendewende ist die Emanzipation der Frauen im Jazz das wohl spannendste Thema in dieser Musikrichtung und das nicht nur stimmlich, sondern auch am Instrument. Schon mal Aziza Mustafa Zadeh oder Rebekka Bakken gehört?
BLITZ!: Klar. Die haben, dank Dir, ja beide schon in Halle gespielt. Wer ist das Highlight des Festivals?
U.H.: Das sind sie natürlich alle, der Geheimtipp aber ist die japanische Pianistin Hiromi Uehara. Sie wird der Liebling auf der Bühne. Jede Wette.
BLITZ!: Du hast einen Flügel im Büro stehen. Du spielst?
U.H.: Leider nicht. Der Flügel ist ein Erinnerungsstück an eine meiner ersten selbstveranstalteten Tourneen mit dem Johnny Thompson Swingers.
BLITZ!: Interessiert Dich auch regionaler Jazz?
U.H.: Unbedingt! Erinnere Dich an Jazz in der Oper vor einem Jahr. Da brachte ich Halles Java Five mit der Leipzig Big Band auf die Bühne und beim neuen hallischen Verein zur Förderung der Frauen im Jazz bin ich Gründungsmitglied.
BLITZ!: Ich habe das Gefühl, man müsse sich einen Schlips umbinden, um in Halle Jazz zu genießen.
U.H.: Das stimmt so nicht. Ich gebe zu, Jazz in der Oper ist ein reines Audio-Erlebnis. Auch Women in Jazz wird mit der fantastischen Akustik des Opernhauses zum stillen Genießen sein. Aber ich weiß, was Du meinst. Es wird wieder einen Jazzclub geben, mit
erdigem Live-Jazz, wo man raucht, Whisky trinkt, wo Jazz verbindet und sich die Generationen auf einer Höhe treffen. Schon zum Festival gibt es täglich ab 22 Uhr den Jazzclub im Opernhauscafé mit Jazz aus der Region und einer Bar.
BLITZ!: Schön.
www.womeninjazz.de
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| Wort: Thomas Leibe / Bild: P.D. |
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