klarmobil.de

Kudernatschs Kolumne

Die Ente ist nah!


Erfurt ist zum Entenhausen Thüringens verkommen. Wilde Enten haben die Stadt übernommen. Sie sind überall!

Marodierende Entenbanden ziehen durch die Gassen und schnattern laut herum. Sie kicken leere Kaffeebecher auf den Bürgersteig und nehmen den Touristen an der Schlösserbrücke die besten Plätze weg. Besonders die Erpel schrecken vor nichts zurück. Sie plündern die Vorgärten, scheißen vors Rathaus und tun so, als würde die Krämerbrücke ihnen gehören.
Doch die Stadt schaut tatenlos zu. Nichts wird gegen die Eindringlinge unternommen. Ganz im Gegenteil: Sie werden sogar noch geehrt!
Alljährlich veranstaltet Erfurt ein Entenrennen. Aber wer jetzt denkt, da werden all die Rowdys mal ordentlich durch die Straßen gejagt, der irrt. Kleine Gummi-Enten müssen herhalten und rauschen um die Wette durch die Gera. Kein Tierschützer muss sich also aufregen, die Enten-Vertretung ist untierisch, Plaste und Elaste eben. Auch die hellhörigen Umweltschützer können sich entspannt zurücklehnen - all die Gummi-Flitzer bleiben anschließend nicht im Fluss, sondern werden im Ziel abgefischt. Die Gera bleibt sauber.
Und die wahren Enten? Die schauen dem Treiben hochnäsig zu - und manche tun sich schwer, auch nur ein Stückchen zur Seite zu rücken, um die künstlichen Nachbauten vorbeizulassen. Die Huldigung wird gnädig empfangen. Das Rennen wird als Selbstverständlichkeit betrachtet. Wieder merkt niemand auf.
Was nicht verwundert, denn längst sitzen die Enten an den Hebeln der Macht. Sie schalten und walten und bestimmen die Geschicke der Stadt. Da werden Ent-scheidungen getroffen, es wird mit Ent-rüstung und Ent-haltung operiert. Manches ent-steht, anderes ent-geht. Längst wurde heimlich dazu eine "Entente Erfordia" aufgesetzt, die besagt: Alle halten den Schnabel, der Ententanz wird fortgesetzt.
Nur wer versucht, selbst ein bisschen wie eine Ente auszusehen, kann sich mit dem System arrangieren und mit viel Schnattern vielleicht einen Posten ergattern. Deshalb haben immer mehr Erfurterinnen einen Entenarsch.
Ja, die Aussichten sind düster. Schon bald wird aus der einst so stolzen Landeshauptstadt Thüringens eine Enten-Enklave - ein totalitärer Staat mit dem Namen Duckistan. China wird ihn auf jeden Fall anerkennen und unterstützen - die Peking-Enten freuen sich schon.
Freie Meinungsäußerungen wird es dann nicht mehr geben. Die Presse in Duckistan würde genau kontrolliert werden. Auch davor möchte ich warnen: Wer es nicht weiß, wird vermuten, dass es zwei Zeitungen gibt - in Wahrheit ist es nur eine. Aber wenigstens da überrascht uns nichts mehr. Wir alle kennen die Zeitungsente.
Was bleibt, ist die Hoffnung. Wir können nur beten, dass rasch der eine oder andere Fuchs in die Stadt kommt und Einhalt gebietet. Die Bundeswehr könnte Füchse aus dem Thüringer Wald einfliegen und sie mit Fuchspanzern unterstützen. Besonders die Erpel mit Knüppeln müssen bekämpft werden, also die Stockenten. Das genaue Vorgehen erfordert viel Raffinesse und militärisches Taktgefühl. Dabei gilt die alte Jägerweisheit: "Fuchs sein, heißt eben nicht nur Schwanz haben und stinken."
Das Problem ist erkannt, die Lösung wurde beschrieben und muss nur noch umgesetzt werden. Bleiben wir optimistisch und glauben wir an einen siegreichen Häuserkampf. Dann wäre: Ente gut - alles gut.
P.S.: Der letzte Satz wurde mir von meiner Hausente diktiert. Ich meinte es natürlich andersrum.


Vorhergegangene Kolumnen von André Kudernatsch könnt Ihr im Buch "Das Beste an Erfurt ist die Autobahn nach Jena" nachlesen, das im Salier-Verlag erschienen ist.

www.kudi.de •  www.salierverlag.de


Wort: André Kudernatsch / Bild: ELC

BLITZ! Thueringen

BLITZ! THÜRINGEN

weitere Themen in diesem Monat:


powered by:

Die Drucker-Oase, Ihr Spezialist in Sachen Drucker und Zubehör.