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Kudernatschs Kolumne

Was kann Thür dafür?


Was macht der Südthüringer, wenn Weihnachten vorbei ist und er keine Nussknacker, Engel oder Krippen mehr schnitzen kann? Er sattelt um - und schnitzt fortan Salatbesteck, Schippenstiele und Beinprothesen.

Aber da geht der Umsatz zurück, denn Weihnachten mögen zwar alle - aber Einbeinige, die viel auf die Schippe nehmen und sich zwischendrin mit Salat stärken, die sind im Freistaat eher selten. Also muss der Südthüringer noch etwas anderes finden, um zum Beispiel nicht zu verhungern, wenn die letzten Hunde aufgegessen sind. Und natürlich findet er etwas, nutzt sein künstlerisches Talent und baut einfach das komplette Bundesland Thüringen im Maßstab 1:25 nach.
Aus solcherlei Not heraus entstand bereits 1999 im Ruhlaer Lappengrund ein feiner Miniaturenpark, in dem alle wichtigen Thüringer Bauten in Baby-Ausführung ein neues Zuhause finden. Knapp 100 Stück sind es schon, die putzig klein die Gäste begeistern. Ja, wo sonst reicht einem die Wartburg nur bis zum Knie, wo sonst kann man Goethes Gartenhaus ganz einfach in den Schornstein pullern, wo sonst kann man die Kuppel des Jenaer Planetariums liebevoll streicheln? Und ja, sagen wir es ruhig, wo sonst kann man so leicht der Thüringer Staatskanzlei aufs Dach steigen?
Kleine Menschlein gibt es leider nicht im Miniaturenpark. Figuren sind im Maßstab 1:25 eben schwierig. Es soll Versuche mit Prominenten gegeben haben - aber die Ministerpräsidentin kippelte, der Kultusminister fiel immerzu um und der Innenminister wurde vergessen. Den kann man ja auch vergessen, finde ich, also, ähm, das man den vergessen kann - das ist nur menschlich. Da verstehe ich, dass man diese Versuche abgebrochen hat mit lauter Figuren ohne großes Format.
Auch ohne Däumelinchen kann man sich in diesem Park der Miniaturen entspannen und Thüringen als Konzentrat und ganz ohne weite Wege genießen. Seine findigen Erfinder mixten aus Miniatur und Thüringen auch gleich noch seinen Namen zusammen: Mini-a-Thür.
Mini-a-thür zeigt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Thüringens - und ist darüber längst selbst eine geworden. Also wäre es nur gerecht, den Park der Miniaturen selbst als Miniatur im Park der Miniaturen nachzubauen. Quasi als Mini-a-thürchen. Das hat er sich wirklich verdient.
Alle Südthüringer sollten bei der Umsetzung mithelfen, so dass pünktlich zum 15. Parkgeburtstag im Jahr 2014 alles fertig ist. Natürlich maßstabsgerecht (1:25):25. Und das ist die Mathematikaufgabe, die ich gern aufgeben möchte - wie groß würden die Modelle der Modelle im Mini-a-thürchen sein? Wer es weiß, braucht mir nicht zu schreiben, sollte es aber auf Zettel notieren und in ganz Ruhla verteilen.
Falls irgendwann einmal die Neubaugebiete Roter Berg und Jena-Paradies Eingang in den Park finden sollten: Ich habe da noch ein paar alte Schuhkartons - da müssten man bloß noch die Fenster reinschneiden, schon wären die maßstabsgetreuen Plattenbauten fertig! Man muss Kleines eben groß denken, Leute! Und damit schließen wir für heute die Mini-a-Tür! Tschüssi!


Vorhergegangene Kolumnen von André Kudernatsch könnt Ihr im Buch "Das Beste an Erfurt ist die Autobahn nach Jena" nachlesen, das im Salier-Verlag erschienen ist.

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Wort: Andre Kudernatsch / Bild: ELC

BLITZ! Thueringen

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