Danzig und Umgebung
An der polnischen Ostsee
Das tausendjährige Danzig (Gdansk) bietet eine aufregende Mischung.
Die Stadt wartet mit Shopping-Angeboten und in Architektur gehauener
Geschichte zwischen Hanse, Weltkrieg und Walesa auf.
Im angrenzenden Sopot locken Ostseestrand und Nachtleben. Ringsum
erstreckt sich das grüne Kaschubien mit seinen Seen, Flüssen und
Mooren als tiefgehendes Naturerlebnis. Danzig wurde einst "Königin
der Ostsee" genannt. Prachtvolle Fassaden säumen den Langen Markt
und machen die sogenannte Rechtsstadt zu einer der schönsten
Altstädte des Kontinents. Zu Füßen des Rathauses mit seinem hohen
gotischen Turm und um den Neptunbrunnen breiten Straßenhändler ihr
Sortiment von Kunst bis Kitsch aus. Beherrschendes Thema ist
natürlich der Bernstein. Dazwischen locken Cafés mit ausladenden
Freisitzen. Elektronische und menschliche Guides führen Kolonnen von
Touristen umher, die aber eher ein Auge auf die mehr oder minder
gelungenen Darbietungen der Straßenkünstler werfen.
Polens Restauratoren haben Weltruf: Keines der Häuser in Danzig ist
älter als 60 Jahre, denn die Innenstadt lag zum Ende des Zweiten
Weltkriegs völlig in Trümmern. In der Frauengasse mit ihren Galerien
wurden die Buddenbrooks gedreht, das Flair hier passte offenbar
besser zum Film als Lübeck selbst.
Schlagzeilen machte Danzig 1980, als der Arbeiterführer Lech Walesa
von der Leninwerft aus die Solidarnosc-Revolution einleitete. Die
Werft ist heute platt, der Gewerkschaftsführer hingegen führt seine
Kanzlei im edlen Grünen Tor am Langen Markt. Der Pfarrer der
Brigittenkirche öffnete damals den Streikenden sein Haus. Heute
verkauft er "Heiliges Wasser" mit seinem Antlitz. Passenderweise
sind die Wasserflaschen gleich aus dem Automaten zu ziehen.
Vor dem Grünen Tor zieht sich eine wunderschöne Promenade längs der
Mottlau, dem alten Hafen der Stadt. Gerade in den Abendstunden kann
man an der Kaigasse sein Lech-Bier zischen, ganz nach dem Motto:
Sehen und gesehen werden. Ein paar Schritte nördlich bietet ein
Hostel auf einem älteren Schiff preiswerte Unterkünfte. Noch
günstiger ist es in einem alten Nonnenhaus in der Altstadt. In den
Zwölf-Bett-Zimmern sind pro Person zwölf Euro zu berappen. Da kostet
das Mittagsgericht in der benachbarten berühmten Fischgaststätte
"Pod Lososiem" ein biss-chen mehr.
Von Danzig aus verkehrt die S-Bahn alle sieben Minuten ins
benachbarte Sopot. Seit mehr als 200 Jahren ist es ein Seebad,
früher das größte an der deutschen, heute an der polnischen Ostsee.
Die Seebrücke reicht mehr als 500 Meter ins Meer hinein. An ihrem
Zugang steht das Grand Hotel für den Luxus der Schickeria.
Volkstümlicher geht es in der Altstadt mit ihren zahllosen
Boutiquen, mit 250 Bars und Cafés zu. Denn Sopot gilt für die
800.000 Einwohner der Metropolenregion zwischen Gdansk und Gdynia
als das Amüsierviertel schlechthin. In der legendären Wald-oper
wurden einst Abba entdeckt, heute sind da Lady Gaga und Co. zu
erleben. Ein Szenetreff ist das Geburtshaus des Schauspielers Klaus
Kinski mit dem gleichnamigen Café. Und jeder hier im Großraum weiß
irgendeine Liebesgeschichte zu berichten, die einst in Sopot begann.
Gleich hinter den Stadtgrenzen von Danzig beginnt eine wenig
berührte Landschaft, die sich von der sogenannten Kaschubei bis zur
Weichsel zieht. Steile Moränenhügel spiegeln sich in den glasklaren
Seen wider. Ein ideales Revier für Radfahrer. Unweit des
gottverlassenen Weichselübergangs bei Tczew (Dirschau) befindet sich
in Malbork die größte Backsteinburg Europas. Die Nachmittagssonne
taucht das Monument wunderbar in warmes oranges Licht. Gegründet
wurde die Burg im Mittelalter vom Deutschen Orden. Noch heute
strotzt die Anlage vor preußischer und polnischer Geschichte. Wem
das zu authentisch ist, der kann sich am Burgeingang die von den
Polen glorifizierte siegreiche Schlacht bei Grunwald - gegen die
Deutschen in Gestalt des Deutschen Ordens, versteht sich -
anschauen. Die Ausführung in Legosteinen macht den
Geschichtsunterricht zum Jahr 1410 noch sinniger.
Ganz ungekünstelt lässt sich Tradition am Oberländischen Kanal
erleben. Der Wasserlauf überwindet auf gerade mal zehn Kilometern
Länge 99 Meter Höhe. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts entstand ein
einmaliges und nach wie vor funktionierendes System, bei dem Schiffe
auf Schienen mit einer Art Schlitten von Etage zu Etage gehoben bzw.
abgesenkt werden. Die Wagenkästen werden natürlich getrieben, über
Wasserkraft durch riesige gusseiserne Räder. Im weiteren Verlauf
dehnt sich das Gewässer vor Elblag (Elbing) zum See mit tausenden
brütenden Vögeln und Seerosen aus.
Bis heute können selbst schmale Ausflugsdampfer die Schiffsrutschen
des Oberländischen Kanals passieren. Auch viele Touristen
durchqueren das Ermland im Kanu oder Motorboot. Ihr Ziel ist das
Frische Haff, ein langgestrecktes Boddengewässer längs der Ostsee.
www.polen.travel/de
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