Lanzarote
Das Grollen des Teufels
Die Hölle auf Erden! Am 1. September 1730 entstanden auf der
Kanareninsel Lanzarote sage und schreibe 32 Vulkane.
Der Pfarrer des kleinen Fleckens Yaiza, Don Andrés Lorenzo Curbelo
berichtete der spanischen Krone anschaulich über die Ängste und
Qualen der Bevölkerung. Bis heute gilt Lanzarote als Vulkaninsel,
die größte Sehenswürdigkeit ist der Nationalpark Timanfaya mit
seinen Feuerbergen. Sein Logo ist niemand anderes als der Teufel
selbst …
Jede Insel der Kanaren hat ihr eigenes Gesicht. Besonders
anschaulich ist der Kontrast zwischen dem weitgehend vom Vulkanismus
geprägten Lanzarote und der in Sichtweite gelegenen Wüsteninsel
Fuerteventura. Feuerberge hinterließen schwarze Strände. Allerdings
schuf aus Afrika angewehter Saharasand auch auf Lanzarote traumhafte
weiße Naturstrände. Zwei Eigenheiten der nordöstlichsten
Kanareninsel machen sie unverwechselbar: Ganz Lanzarote ist seit
1993 Biosphärenreservat. Einmalig zudem ist die Hinterlassenschaft
eines Künstlers, der beinahe als Nationalheiliger gilt, Cesar
Manrique (1919-1992).
Wer über Lanzarotes Stränden Hotelburgen à la Torremolinos,
Ballermann oder Playa del Ingles vermutet, irrt. Pensionen oder
Fünf-Sterne-Hotels bieten sich dem Besucher kleinteilig dar. Aus dem
sonstigen Braunschwarz der Insel stechen vielleicht die Palmen und
Swimmingpools hervor. Alle Bauten sind weiß und haben an der Küste
blaue Türen und Fenster, im Landesinneren sind diese grün. Manrique
lässt grüßen - der wollte Lanzarote zwar als Touristenziel
entwickeln, dabei aber deren eigenes Gesicht bewahren.
Mit Erfolg: Die Naturwunder der Insel verwandelte er mit genialem
Weitblick zu Attraktionen: Mitten im heutigen Vulkanpark befindet
sich das Restaurant "El Diablo". Abgesehen vom spektakulären Blick
in die unwirtliche Lavalandschaft stößt der Besucher mit jedem
Schritt auf Außergewöhnliches. Gießt der Nationalpark-Ranger einen
Eimer Wasser in eine Röhre im Felsboden, schießt es binnen zwei
Sekunden mit Donnergeheul in die Höhe. Kein Wunder: In zehn Metern
Tiefe erreicht das Felsengestein eine Temperatur von 600 Grad! Über
der Heißluft aus einer Felsspalte betreibt der Chefkoch des "El
Diablo" einen Hähnchengrill. Direkt vor dem Restaurant hält ein
Mitarbeiter Kameldorn in eine kleine Kuhle. Binnen zwei Minuten
steht es lichterloh in Flammen!
Weiter im Norden der Insel gestaltete Cesar Manrique gewaltige
Lavahöhlen in unterirdische Gaststuben oder Festsäle um. Bizarre
Effekte aus Licht und Wasser sorgen für Verblüffung. Schließlich
lässt unser Führer Marcos auf einem unscheinbaren Parkplatz weit im
Norden der Insel halten. Durch eine Maueröffnung gelangen wir in ein
kleines Restaurant. Von dessen Terrasse öffnet sich atemberaubend
der Blick aus 400 Metern Höhe. Zu Füßen liegt der Meeresarm El Rio,
jenseits dessen sich die naturbelassene Badeinsel La Graciosa
erstreckt.
"Ohne Vulkane und Wind ist es nicht Lanzarote", kommentiert Marcos
die aufgewühlte See am Hafen von Orzola. Das Meer ist ideal zum
Schnorcheln, natürlich kommen Wellenreiter voll auf ihre Kosten.
Unterwegs zur kleinen Nachbarinsel La Graciosa wirbeln majestätische
Wellenberge das Schiff wie eine Nussschale auf und ab. Felsklippen
scheinen zum Greifen nahe. Eine gut ausgestattete Reiseapotheke
macht das Leben jetzt leichter. La Graciosa ist nahezu unbesiedelt
und verfügt über keinen einzigen Meter Asphaltpiste. Unter einem
Vulkankegel breitet sich ein traumhafter Sandstrand aus. Der
Schiffsführer bringt die bunte Truppe mit einem kleinen Beiboot
wohlbehalten ans sichere Ufer. Je nach Lust und Laune bietet er
bunte Kajaks, Fahrräder, Surfbretter ebenso wie Tauchausrüstungen
und - wichtig - Mineralwasser an. Abwechselnd ein Bad in der Sonne
oder im Atlantik - die teuflische Überfahrt ist an diesem
paradiesischen Ort alsbald vergessen.
Nach Lanzarote zurückgekehrt, verschwindet die Sonne gerade irgendwo
hinter der palmengesäumten Promenade von Puerto del Carmen im Ozean.
Bis weit in die Nacht hinein haben Straßencafés und Bars entlang der
Avenida de las Playas oder am alten Hafen des Touristenortes
geöffnet. Später zieht es die Partyfreaks in Pubs und Diskotheken.
Angesagt sind Locations wie der Paradise Beach Club oder der
Disco-Club Big Apple. Das dunkle Grollen der Bässe findet gegen
Morgen sein Ende: Der letzte Ausbruch eines der 140 Vulkane
erschreckte Lanzarote 1824.
www.turismolanzarote.com
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