Frankreichs Südwesten
Hippe Promenaden über stürmischen Wogen
Meterhohe Wellen formen die legendären Surfspots von Hossegor, die
zum Markenzeichen des Badeortes an der französischen Atlantikküste
wurden.
Mit Pop und Techno zieht hier die Disko Le Rock Food die Partyfreaks
bis in die frühen Morgenstunden in ihren Bann. Direkt an der
schicken Promenade gelegen, macht deren Betreiber Roland Calaudi
auch die Ansagen bei den jährlichen Surf-Weltmeisterschaften von
Hossegor.
Wie auf einer Bühne chillen die Sonnenanbeter vor dem Le Rock Food
oder der Dick Sand Bar und bejubeln die legendären Beachbreaks der
Plage Central tief unter sich. In Wahrheit kokettieren sie weit mehr
vor den Skateboardern der Promenade oder mäßig bekleideten
Wellenreitern, die auf dem Place des Landes zum Strand ziehen. Wenn
angenehme Wassertemperaturen und spätsommerliche Temperaturen auf
die ersten Tiefausläufer treffen, empfängt Hossegor die weltbesten
Wellenreiter zum "Rip Curl Pro" oder "Quiksilver Pro France". Im
Spätsommer eignen sich die Surfspots nicht einmal mehr für
fortgeschrittene Surfer, die Weltklasse ist gefordert.
Über zehn Jahre bestimmte Kelly Slater das Geschehen. Der 1972
geborene US-Amerikaner sammelte neben Titeln auch Frauenherzen.
Affären mit Pamela Anderson und Gisele Bünd-chen beschäftigten die
bunten Medien. Lokaler Matador ist hingegen Jeremy Flores, dessen
Fußabdruck neben dem des Weltmeisters den Beton der Promenade ziert.
Begleitet werden die jährlichen Meisterschaften von einem
rauschenden Nachtleben mit Auftritten bekannter Bands und DJs.
Jenseits der Atlantikküste erstreckt sich bis nach Bordeaux das
weite Hinterland. Die Gascogne, das Land der Musketiere, galt im
Mittelalter als absolutes Unland, weil in Meeresnähe bis zu 100
Meter hohe Dünen jede Besiedlung unmöglich machten. Geblieben sind
bis heute die scharfe Brise vom Atlantik sowie endlose Sandstrände
unter hohen Steilküsten. Hinter der seit 1788 befestigten
Küstenlinie breitet sich dafür das größte je von Menschenhand
geschaffene Waldgebiet Europas aus.
Eine Laune der Natur stellen die Seen des Hinterlandes dar: Die
Flüsse, die in Urzeiten ungehindert in den Atlantik strömten, wurden
von der gewaltigen Küstendüne aufgehalten und stauten sich im
Binnenland zu sogenannten Étangs, also langgestreckten Seen. Hier
findet sich auch eine Landschaft, deren Gepräge so gar nicht nach
Frankreich zu passen scheint: L'Amazonie Landaise. In unzähligen
Armen strömt das Wasser des Étang d'Huchet zwischen kahlen
Zypressen, geborstenen Baumstämmen und Seerosen entlang. Der
bemooste und von Efeu bewachsene Galeriewald aus Ulmen, Eichen und
Buchen zeigt mit Stromschnellen seinen Urwaldcharakter auf. In Port
d'Albert empfangen die Bateliers - Bootsführer - die Touristen und
staken oder rudern über die Wasserläufe. Sie erzählen Geschichten
von wilden Tieren und der noch stärkeren Kraft der Liebe. Mitunter
lässt uns der blonde Sebastian jedoch auch aussteigen: Die besonders
schwierigen Stromschnellen meistert der Batelier lieber allein.
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Zikaden zirpen und in der Luft liegt der würzige Geruch von
Kiefernadeln und Harz. Das flüssige Gold des Waldes diente über
Jahrhunderte dazu, die Fischerboote zu kalfatern. Vor der
Entwicklung der Petrolchemie macht der Harz Familien wie jene von
Jean-Claude Lacrotte reich, denn der Rohstoff bildete die Grundlage
für die Herstellung von Reifen, Lacken und Teer. Nach dem Niedergang
der Waldwirtschaft legte der quirlige alte Monsieur um Biscarrosse
ein Netz von Wander- und Radwegen an. Ein Hochseilgarten bietet am
Rande des Seebades ungewöhnliche Perspektiven auf die endlosen
Wälder der Seekiefern.
Von Sabres aus verkehrt ein historischer Zug in die Siedlung
Marquèse im Herzen des 1970 entstandenen Naturparks der Landes de
Gascogne. Die Besonderheit des Freilichtmuseums mit seinen
pittoresken Wohngebäuden, Ställen, Scheunen und Backstuben liegt
darin, dass die Bauten genau hier entstanden und nicht von weither
angeschleppt wurden. Unter den alten Eichen steht auf einer Lichtung
das geräumige Haus des Gutsherrn, dahinter die viel kleinere Hütte
des Harzbauern. Deren Fenster hatten keine Scheiben - Holzstäbe
genügten, um die Hühner fernzuhalten. Aus dem Backofen neben der
Mühle steigt dem Besucher der Duft frisch gebackenen Brots in die
Nase. Mit Veranstaltungen und Festen bewahrt das Ecomuseum die
Traditionen der Waldarbeiter der Gascogne.
Ein Landrestaurant bewirtet uns mit seiner "Assiette du pays". Alle
typischen Produkte der Gascogne finden sich auf einem Teller wieder,
dazu zählen hier Entenmagen, Entenleber, Speck sowie kleine deftige
Würste vom Rind, gereicht mit saisonalem Gemüse und grünem Salat.
Zum Landesinneren hin sind die Menus recht preiswert und werden mit
Vorspeise, Dessert und Wein ab elf Euro angeboten.
Hier im Südwesten Frankreichs ist die Nähe zu Spanien auch im
Brauchtum spürbar. Als wichtigste Veranstaltung werden in den
Dörfern die Landaiser Feste begangen, eine unblutige Form des
Stierkampfs. Die Kühe werden gereizt, bis sie wütend auf einen
Torero zustürmen. In der Arena herrscht Volksfeststimmung. Der
Torero weicht den Hörnern des wütenden Tieres durch einen eleganten
Sprung zur Seite oder einen Salto aus. Tosender Beifall brandet
hinter den Banden auf. Im Gegensatz zu dem spanischen Stierkampf
kommen die Kühe nicht zu Schaden.
Die berühmteste Veranstaltung der Gascogne wird in der Arena von
Vieux Boucau ausgetragen. Der Badeort mit seinen hohen Dünen zum
Atlantik an einer reizvollen Bucht wartet mit netten Hotels wie der
Drei-Sterne-Residenz Maeva le Boucanier auf. Abends flanieren die
Touristen zu den trubeligen Bars und Restaurants an der Marina,
Insider bevorzugen jedoch Strandlokale wie die Brasserie Landaise
hoch über dem Atlantik bei Sonnenuntergang.
www.tourisme-aquitaine.fr •
www.tourismelandes.com
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