Maria Grafft im Kunsthof Jena
Kunst stellt Fragen
Maria Grafft berührt in der Ausstellung "Zum Punkt" mit einfachen Mitteln das Wesentliche, Kunst ist das Formulieren einer Frage.
Am Anfang steht die Zahl 3. Es gibt drei geometrische Formen: Kreis, Dreieck und Viereck. Maria Grafft malt diese nicht mit den drei Grundfarben, sondern mit Schwarz, Rot und Gold, einem Gedankenspiel des Bauhauses, obwohl er als Handwerker mit abgeschlossener Malerlehre die institutionalisierte Lehre von Kunst als zu starr kritisiert. Drei ist für den 43jährigen Künstler aus Bucha bei Jena die magische Zahl, der kleinste gemeinsame Nenner in der Universalsprache der Kunst, welche sich auch in religiösen Vorstellungen wiederfindet. Doch darauf bezieht er sich nur auf assoziativer Ebene, in einem Glauben an eine höhere Ordnung, die er in ihrer Existenz nicht aus-schließen kann.
So fasziniert ihn die Macht des Zufalls, welche seit seinen Anfängen als Künstler vor 15 Jahren sein Wirken bestimmte - nicht als Schnitzer, sondern als Dilettant, als "Schaber", wie er sagt. Ausgestattet mit einer ausgeprägten Sammelleidenschaft, die ihn alte Anhänger oder verrostete Blechdosen neben anderem vermeintlichen Müll zusammentragen lässt, kommt ihm eine neue Idee, die nur mithilfe dieser akribisch aufgereihten Teile in seinem Atelier ihre Vollendung finden kann. Das atmet mit seiner lange zurück reichenden Geschichte und seiner wenig heimelig anmutenden Ausstattung den Geist einer anderen, archaischen Zeit ohne moderne Kommunikationsmittel. Hier kehrt Maria Grafft, dieser "Installateur de la mystique", wie er sich bezeichnet, mit formal strengen Kuli-Zeichnungen, an denen er mehrere Monate arbeite, oder zusammenmontierten Skulpturen zu den grundlegenden Funktionen der Kunst zurück. Die Kunst muss Fragen aufwerfen und der Betrachter muss sie ohne Vorgaben des Künstlers mit Antworten füllen - durch seine eigene Deutung. Manchmal, so sagt Maria Grafft, sieht er nach Jahren ein altes Bild von sich wieder und erkennt es nicht. Nicht das Bild hat sich geändert, sondern der Mensch mit seinem Blick auf die Dinge - durch seinen Reflexionsprozess, der ein Wiederentdecken ermöglicht.
Auch der Künstlername Maria Grafft - für einen Mann! - ist ein Spiel mit Reflexionen und ruft zunächst einmal Irritationen hervor. Maria Grafft will jedoch auch damit wieder Fragen aufwerfen: Kann man spezifisch männliche oder weibliche Kunst an Parametern der Exponate erkennen? Sind Männer in einer modernen Gesellschaft trotz ihrer Dresscodes auch emanzipiert und können problemlos andere Rollenbilder fernab klassischer bedienen? Antworten darauf kann jeder Besucher ab 20. April im Kunsthof Jena suchen.

