Markus Stoß
Ein Imker als Erzähltalent
Ein Bienenleben dauert 40 Tage. Von der ersten Minute an arbeitet die Biene unentwegt. Ein Imker und seine Bienen sind wie eine große, fleißige Familie.
Ich bin zu Besuch bei Markus Stoß. Er lud mich in seine WG im Jenaer Westviertel ein. Ein paar Mitbewohner und Freunde sitzen in der Küche, und auch ich werde freundlich empfangen. Markus ist Imker, sein Metier sind die Bienen, das hatte mich interessiert. Nach einem kurzen Plausch und den ersten Fragen rund um die Bienen verschwindet Markus kurz und kommt zurück mit einem hölzernen Kästchen, in welchem sich eine Bienenwabe mit hunderten geschäftigen Bienen samt Königin befindet. Jeder starrt zunächst gebannt auf das lebendige Krabbeln unter der Glasscheibe; jede Biene scheint genau zu wissen, was sie zu tun hat. Die einen bauen Waben, die nächsten kümmern sich um das Honiglager und andere betreiben Brutpflege. Die Königin, unschwer zu erkennen zwischen all ihren Töchtern, legt unentwegt Eier und wird von den fleißigen Arbeiterinnen gefüttert. Markus beantwortet jede Frage und erzählt Geschichten um das große Geheimnis der Bienen. Die Mitbewohner, die längst gehen wollten, sitzen noch immer mit uns in der Küche und lauschen gespannt Markus' Worten. Wir alle, noch immer beeindruckt vom Anblick der Bienen, sind begeistert vom emsigen Insekt und Markus' Wissen um Königin, Honig, Pollen und Co.. Der Nachmittag gestaltet sich informativ und lustig, Imker Markus erzählt gern von seiner Leidenschaft den Bienen.
Sein Leben lang schon steht er in engem Kontakt zu Bienenvölkern. Seine Familie betreibt in der vierten Generation Imkerei, schon als Kind half er seinem Großvater und Vater bei der Arbeit. Als er 16 war, bekam er sein erstes Bienenvolk geschenkt, und spätestens dann stand fest, dass er einmal Imker werden möchte. Heute besitzt er über 60 Völker, die alle gemeinsam mehr als 1.500 Kilogramm Honig im Jahr produzieren. Nach seinem Abitur und dem Zivildienst begann Markus eine Ausbildung zum Imker. Als er diese abgeschlossen hatte, wollte er gern Biologielehrer werden und kam mit diesem Wunsch zum Studium nach Jena. Neben seiner Leidenschaft für die Bienen entdeckte er, dass er auch sein Wissen und die Liebe zur Natur weitergeben möchte. Das Biostudium so gut wie beendet, war er nie glücklich mit seinem zweiten Fach und entschied sich für den Weg in die Selbständigkeit. Seither kann er sich wieder der Imkerei widmen und vor allem auch in der Umwelt- und Naturbildung aktiv werden. Als freiberuflicher Referent hält er spannende und kurzweilige Vorträge, lüftet das Geheimnis der Bienen. Seine Bienen hat er dafür immer im Gepäck, und jeder erfährt etwas Neues über das Leben der summenden Geschöpfe, die sich während ihrer Arbeit direkt beobachten lassen.
Markus ist ein Erzähltalent, dem man gern zuhört, einer, der die Geschichten interessant verpackt. Bienen live zu erleben, das ermöglicht er, wenn er zu einem Bienenvortrag bestellt wird. Als er, während er uns alles zeigt, gleich mehrfach gestochen wird, verzieht er nicht einmal das Gesicht und berichtet munter weiter. So ein Stich macht ihm nach so vielen Jahren nichts mehr aus, bestätigt er nur schmunzelnd. Sein Traum ist, mit Kindern an einem langfristigen Bienenprojekt zu arbeiten, um diese für die Imkerei zu begeistern. Viel zu selten seien heutzutage nämlich die Imker, die den Honigbedarf des Landes - wir sind immerhin Weltmeister im Verspeisen des köstlichen Produkts - schon lange nicht mehr decken können.

