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Mersefest Mersefest

Mersefest

Wie auf dem Dorf


So ein bisschen wie auf dem Dorf. Das erste Mersefest der Straßengemeinschaft Merseburger Straße wird am 8. Juni gefeiert.

Wenn Menschen zusammenkommen, um miteinander zu sein, um zu tanzen und zu reden, zu trinken und zu leben, steht gern ein "böser Nachbar" da, um all dies grässlich zu finden und auf sein verbrieftes Recht auf Totenruhe zu pochen. Beim ersten Mersefest am 8. Juni wird es so etwas wohl nicht geben, besteht das Organisationsteam doch aus den Geschäftstreibenden und Anwohnern des Abschnitts der Merseburger Straße zwischen Karl-Heine-Straße und Aurelienstraße selber.
"Wir, als Mersefest-Team arbeiten nicht nur zusammen, wir lachen viel und spinnen immer neue Ideen für die Gestaltung des 8. Juni. Die Arbeit macht viel Spaß, und wir hoffen, dass sich dieser Elan auf das ganze Fest und alle Feiernden überträgt, damit es ein kreativer, bunter und freudiger Tag werden kann", sagt zum Beispiel Katharina Frohnapfel, eine der Organisatorinnen. Neben ihr wirbeln für das Mitmenschsein auch die Aktiven der Stadtteilzeitung "3Viertel", das Team vom "süß&salzig", die Lehmolandias, der Objektgestalter Wolf Konrad Roscher, Marie Hecht an der Kommunikationsfront, die Druckwerkstatt Lieblingsdruck.de, die Mobile Streetwork und die faszinierende Fotografin Ildiko Sebestyen. Alles Aktive aus dem Leipziger Westen, die ein Gedanke eint: "In diesem Abschnitt laufen sich die Leute ständig über den Weg. So ein bisschen wie auf dem Dorf. Von Anfang an waren wir uns einig, dass wir uns besser kennenlernen wollen - auch um die Straße selber mit zu gestalten."
Am 8. Juni ab 12 Uhr wird es einen Blumenstrauß an farbigen Aktionen geben, Bands können sich vorstellen, Literatur kommt zu Gehör, die Läden zeigen ihr Portfolio; es kann flaniert und gesessen, aber auch gegessen und getrunken werden. Häuser werden ihre Pforten öffnen, Musiker auf der Straße spielen, ältere Menschen vom Leben früher erzählen, jüngere Menschen neue Räume gestalten. Und Gäste aus ganz Leipzig dürfen sich herzlich eingeladen fühlen, um diesen Straßenabschnitt neu zu entdecken.
Ein Ansatz, der Leipzig bunt und bunter gemacht hat, war ja gerade dieser, selber aktiv zu werden, um auf die Gestaltung und Entwicklung von Gemeinschaften Einfluss zu nehmen. Gut, dass hier wieder Menschen Verantwortung übernehmen. Unterstützen heißt deshalb: Hingehen und genießen.


Internet:

www.mersefest.de 


Mersefest:

08.06. Merseburger Straße (zwischen Karl-Heine- und Aurelienstraße)


Wort und Bild: Volly Tanner





Parkbühne Parkbühne

Open-Air-Highlights

Sommer auf der Parkbühne


Auch in diesem Sommer ist wieder mächtig was los in Leipzigs Kulturschmuckstück im Grünen. Das Spektrum ist breit wie nie, da dürfte jeder fündig werden.

Das Stück Stadtgrün, in dem die Parkbühne 1955 gebaut wurde, hieß damals noch Albertpark. Gemeinsam mit dem Johannapark, dem Palmengarten und dem Scheibenholz wurde dieser im gleichen Jahr zum Clara-Zetkin-Park vereint, im Sozialismus hatte man es gerne etwas größer. Diese Zusammenlegung hat bis heute jeder Rückwärtsabwicklung getrotzt. Der Clara-Park ist einfach ins Denken der Leipziger eingegangen und das sollte nunmehr wohl auch so belassen bleiben. Ebenso fest verwurzelt ist die Bühne, die nach etlichen Jahren Dornröschenschlaf nach der Wende im neuen Jahrtausend wieder zum Leben erweckt wurde und seitdem Leipzigs schönste Sommer-Location ist: Citynah und trotzdem mitten im Grünen, das nach hinten sanft ansteigende Halbrund des Innenraums erlaubt optimale Sichtverhältnisse bei großer Bühnen-nähe von jedem Platz. Für viele Leipziger ist der Park rund um die Bühne inzwischen zum Picknickplatz während der Konzerte geworden.
Das Programm wird geschickt für alle Schichten und Altersgruppen gestrickt und kann sich auch in diesem Jahr wieder sehen lassen. Den Anfang macht das gegenwärtige Traumpaar der deutschen Schauspielerei, in dem beide auch deutlichen Affinitäten zur Pop-Musik nachgehen.
Silly Silly

Alex Clare Alex Clare

Helge Schneider Helge Schneider

Sophie Hunger Sophie Hunger

Reinhard Lakomy Ensemble Reinhard Lakomy Ensemble

Am 8. Juni startet Jan Josef Liefers mit seiner Band Oblivion. Liefers ist auch jenseits des "Tatorts" ein exzellenter Schauspieler, und er war das auch schon der DDR. Hier, konkret in Dresden, hat seine Kindheit stattgefunden - sein Konzert liefert uns den Soundtrack dazu. Ein wunderbarer Ausflug in vergangene musikalische Welten ohne jede peinliche Ostalgie, aber auch frei von dem noch peinlicheren Gejammer, wie sehr man uns doch alle beschissen habe.
Danach seine Frau, die vor ein paar Jahren den anspruchsvollsten, aber auch gefährlichsten vakanten Job in einer deutschen Band übernommen und verblüffend souverän ausgefüllt hat: Am 21. und 22. Juni gastieren Silly mit Anna Loos auf der Bühne. An zwei Abenden, weil der erste binnen Stunden ausverkauft war. Kein Wunder, schlug doch vor drei Jahren "Alles Rot", das erste Album mit ihr, unglaublich ein und führte die Band in einem Triumphzug in die Spitzengruppe des deutschen Rock 'n Roll. Eigentlich standen sie dort musikalisch seit den 1980ern. Es hat im Westen schlicht kaum jemand bemerkt (wie manches andere auch). Mit Anna hat die Band nun tatsächlich die große Loos gezogen. Okay, blöder Kalauer…
Kurz danach was Brandneues: Alex Clare aus London war ein Jahr mit Amy Winehouse zusammen (es wäre besser für Amy gewesen, wenn sie ein Paar geblieben wären) und stand genau vor einem Jahr mit seinem Track "Too Late" auf Platz Nummer 1. Was wiederum viel mit dem Clip für den Internet Explorer 9 zu tun hatte, zu dem das Stück die Musik lieferte. Das Debütalbum des Soul- und Dubstep-Sängers zeigt aber noch viel mehr Potenzial, eine der großen Stimmhoffnungen derzeit.
Hoffnung gibt's auch immer wieder, wo Olaf Schubert, das Wunder im Pullunder, der Rächer der Enterbten und der Beglücker der Witwen und Waisen, auftaucht und das Füllhorn seiner Weisheit über uns ergießt. "Eimer für alle" heißt am 27. Juni die launige Veralberung der Musketiere, bei der Degen und Zungen gar hurtig geführt werden und sich am Ende alle weidwund getroffen kichernd wälzen. Ähnliches ist ein paar Tage später bei Helge Schneiders Konzert, betitelt: "Bunte Sommerabende mit Musik und Quatsch" zu erwarten, wenn die singende Herrentorte uns wieder allerhand Nonsens zum Lachen auftischt.
Der 27. Juli wird ein Fest für die Fans einer der größten amerikanischen Bands: Foreigner sind die führende Combo des Adult Orientated Rock (Rock 'n Roll für Große eben) und kommen mit ihren großen Hits ins kleine Leipzig. Wer seine wilden Jahre in den Endsiebzigern und der ersten Hälfte der Achtziger verbrachte, kam an Hits wie "Cold As Ice", "Urgent", "Juke Box Hero", "Wai-ting For A Girl Like You" oder an der Über-Ballade "I Want To Know What Love Is" einfach nicht vorbei. Auch, wenn Sänger Lou Gramm schon lange nicht mehr dabei ist - alle versichern, dass Kelly Hansen ihn bestens ersetzt. Als Foreigner ihre größte Zeit hatten, wurde Sophie Hunger in der Schweiz geboren. Seit ein paar Jahren macht die eigenwillige Dame als Schauspielerin und auf der Bühne mit einem Mix aus Chanson, Pop und Jazz Furore. Ideal für so eine lange laue Parkbühnen-Nacht am 16. August.
Erinnert sich noch jemand an die B52s? Nein, der Name kommt nicht von dem amerikanischen Riesenbomber, dafür von den schrillen Riesenfrisuren der beiden Sängerinnen der Band aus Athens/ Georgia (zehn Jahre später wurden R.E.M. aus dem gleichen Nest Weltstars), die mit ihrem schrillen Gemisch aus Rock, Punk und New Wave Anfang der 80er ziemlich einschlugen. Ihren größten Hit "Love Shack" feierten sie aber erst 1989 und kurz danach waren sie mit dem Song "(Meet) The Flintstones", der Titelmelodie des Animations-Langfilms, endgültig weltweite Überflieger. Diese Legende kommt am 23. August auf die Parkbühne! Ein Nachsatz: Die Slang-Bezeichnung für die aufgetürmten Krähennestfrisuren dieser Zeit kommt natürlich von jenem amerikanischen Bomber …
Schließlich noch ein Konzert für Große und Kleine, das Freude und Trauer zugleich hervorruft. Reinhard Lakomy, dessen Platten in den 80ern die unangefochtene Lufthoheit in ostdeutschen Kinderzimmern hatten und heute von den Kindern und Kindeskindern derer geliebt werden, die damals diese Zimmer bewohnten, ist im März gestorben. Er hat seinen Krebs nicht behandeln lassen, aber dafür bis zum Schluss die Arrangements der Programme so umgeschrieben, dass sie auch ohne ihn aufzuführen sind. Er hat uns den Traumzauberbaum gepflanzt, und der wird noch lange für uns grünen. Am 8. September gastiert das Reinhard Lakomy Ensemble im Park.


Internet:

www.mawi-concert.de 


Wort: F.W.
Bild: Tom, Jonny Soares, Jon Baker, kaka dopulus, Universal Music, P.D.

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