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Paradies: Hoffnung

Paradies: Hoffnung


Regisseur Ulrich Seidl ist keiner von denen, die gefällige, auf das Massenpublikum zielende Filme machen. Der Österreicher ist eher schonungslos hart, spitzt zu, spaltet das Publikum mit seiner Art, genau hinzusehen und seinem an Grenzen gehendem Humor. So auch im abschließenden Teil seiner Trilogie "Paradies", in dem er junge Mädchen in einem Diät-Camp beobachtet, in dem es ähnlich zugeht wie in einem US-Militär-Lager. Da wird gedrillt, erniedrigt und gebetsmühlenartig gesunde Ernährung gepredigt. Und mittendrin die 13jährige Melanie, die sich in der illusorischen Hoffnung wiegt, dass der 40 Jahre ältere, sie behandelnde Arzt ihre Zuneigung erwidern würde. Er nährt jedoch lediglich ganz sanft ihre Hoffnungen, weist sie aber immer wieder kurz danach zurück. Alles zielt auf eine Katastrophe, zu der es aber dank kluger Filmemacher nicht kommt. Empfehlenswert für alle, die gute Kost im Kino bevorzugen.
Mutter & Sohn

Mutter & Sohn


Der Gewinner des diesjährigen Goldenen Bären kommt jetzt in unsere Kinos und wird sich nun gegen die harte Konkurrenz von so manch starkem Film aus der Panorama-Reihe der Berlinale beweisen müssen. Der Vorteil des rumänischen Gewinners ist eine starke Geschichte, in der es um eine Mutter geht, die einfach nicht loslassen kann, die glaubt, alles mit ihrem Geld regeln zu können. Auch als ihr Sohn einen Unfall verursacht, bei dem ein 14jähriger Junge ums Leben kommt. Das sind schon beeindruckende Blicke in die rumänische Gesellschaft von heute. Da spielt eine hervorragende Hauptdarstellerin, Luminita Gheorghiu, und passiert auch etwas, einschließlich eines abschließenden Wandels, aber die Machart muss man schon mögen und aushalten können. Fast nur Handkameras mit rasanten Schwenks von Gesicht zu Gesicht. Angenehm, dass es keine Holzhammerkritik an der Gesellschaft ist, sondern eher eine Innenansicht.
Bild: Neue Visionen Bild: X-Verleih
The Big Wedding

The Big Wedding


Unterhaltung muss sein im Kino, und wenn die so freundlich daherkommt wie jene große Hochzeit, geht man doch gern und entspannt ins Lichtspielhaus und freut sich auf anderthalb nette Stunden. Nichts, dessen man sich in ein paar Jahren noch als Meilenstein erinnern wird, aber ordentliche Unterhaltung. Keine großen Schenkelklopfer, der Humor entsteht mehr aus den Figuren selbst. Und das ist bei dem Ensemble gestandener Darsteller auch keine große Kunst: Diane Keaton, Katherine Heigl, Robert de Niro (schafft es sogar, nicht ewig doofe Grimmassen zu schneiden), Amanda Seyfried und in einer kleinen Rolle auch mal wieder Robin Williams auf der Leinwand. Die Geschichte an sich knapp: Adoptierter Sohn will leibliche Mutter zu seiner Hochzeit einladen. Die ist streng katholisch, und so spielt man ihr heile Welt vor, denn die Adoptiveltern sind lange geschieden. Konflikte sind genug angelegt ...
Der Dieb der Worte

Der Dieb der Worte


Ein Schriftsteller kommt zu Erfolgen, die ihm eigentlich gar nicht zustehen, weil die Worte von einem anderen stammen. Und dann: Auch diese Beiden sind nur Fantasiefiguren in einem weiteren Buch. Dessen Autor umgibt sich mit dem Hauch der Geheimniskrämerei, bis eine junge hübsche Frau (Olivia Wilde) beginnt, ihm Fragen zu stellen. Das ist eine schon mal ziemlich verschachtelte Geschichte, die sich schließlich auf drei Ebenen abspielt, welche sich aber nicht bis zum Schluss ordentlich miteinander verweben. Dafür ist es ein Film mit tollen Darstellern - allen voran Jeremy Irons und Dennis Quaid. Schade aber, dass interessante Fragen oftmals nur mit Nebensätzen abgehakt werden. Sicherlich interessant auch für diejenigen, die den teils in Leipzig gedrehten "Lila, Lila" gesehen haben. Die beiden Filme sind sich so ähnlich, auch wenn nirgendwo erscheint, dass daher die Vorlage stammen könnte ...
Bild: Concorde Bild: Wild Bunch
Fast & Furios 6

Fast & Furios 6


Fast nicht zu glauben, dass man ganze fünf Mal sich was halbwegs Neues einfallen lässt, um an vorherige Erfolge anzuknüpfen. Macher und auch wir sind davon überzeugt, dass es auch diesmal wieder genug Auto-Action-Fans geben wird, die die Produktionskosten berechtigt sein lassen. Nach dem Rio-Coup hat sich die Truppe nun über die ganze Welt verstreut, ist aber auf der ständigen Flucht. Bis, ja bis das FBI auf der Jagd nach zum Töten ausgebildeten Rennfahrern ist. Die können jedoch nur auf der Straße zur Strecke gebracht werden. Und so kommt es, dass einer der Agenten auf Hilfe angewiesen ist. Also wird Vin Diesel alias Dom Straffreiheit angeboten, wenn er sich dem Ermittler-Team anschließt. Diese Konstellation lässt einerseits erneut rasante Action zu wie auch die Möglichkeit, weitere Teile nachzuliefern. So lange es ein Publikum dafür gibt, wird diese Geldmaschine wohl immer wieder angeworfen ...
Tango Libre

Tango Libre


Belgische Filme haben in den letzten Jahren eine deutliche Spur von Qualität in unseren Kinos hinterlassen und hier kommt ein erneuter Beweis für einen kleinen, aber feinen und humorvollen Film, der von einem superkorrekten Gefängniswärter erzählt. Es scheint, als ob der lediglich zu seinem wahrlich alten Kumpel, einem Goldfisch, emotionale Bindungen aufzubauen in der Lage ist. Und, er hat ein Hobby, er geht jede Woche zu einem Tangokurs. Aber auch dort findet er keinen rechten Anschluss. Doch als Alice da auftaucht, gelingt dieser es doch glatt, den verklemmten Mann aus der Reserve zu locken. Ihr Mann - oder besser: ihre Männer - sitzen allerdings ein, genau da, wo unser Wärter seinen Dienst versieht. Und nun kommt Eifersucht ins Spiel und der Sohn von Alice, und es beginnt ein Machtkampf, der in einem so unerwartet köstlichen Showdown endet, dass man gut gelaunt auch den nächsten belgischen Film nicht verpassen will.
Bild: Universal Bild: Movienet
BLITZ! Stadtmagazin

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Wort: Carola Kinzel