Dr. Winters Kolumne
Old Öffentliche Hand
Liebe Freunde, egal ob der 1. Mai ist oder der 15. - für jemanden wie mich existiert nur ein einziger Mai: Karl May!
In diesem Jahr sind es schon 100 Jahre, dass er in die Ewigen Jagdgründe eingegangen ist. Seiner Popularität hat diese Entscheidung nicht geschadet. Die von ihm erfundenen Romanhelden wie Old Shatterhand oder Old Surehand begeistern noch heute Millionen von Lesern. Was viele nicht wissen, ist, dass dieser zwirbelbärtige Mann, den die einen als genialen Literaten feiern, die anderen als Verfasser von verlogenen Schmonzetten belächeln, nur wenige Kilometer von Chemnitz entfernt, in dem 15.000-Seelen-Ort Hohenstein-Ernstthal geboren wurde. Der Tatsache einer solch sensationellen geografischen Nähe habe ich nicht widerstehen können und mich auf die Suche nach Spuren in seiner Heimatstadt gemacht. Wer weiß, habe ich mir gedacht, vielleicht stoße ich auf noch heute existente Quellen seiner Inspiration? Den ersten Hohenstein-Ernst-thaler, dessen verknittertes Äußeres darauf schließen ließ, dass er Karl May noch persönlich gekannt haben könnte, habe ich sofort angesprochen. Er hieß Old Schlotterhand, und erzählte mir, dass in Karl Mays Familie jeder außer Karl May selbst als Weber gearbeitet hat. Karl May wollte eigentlich Lehrer werden, hat sich dann aber entschlossen, sein Geld als Verbrecher zu verdienen. So ist es gekommen, dass er sich häufig in Gefängnissen aufhielt, während seine Angehörigen in der Fabrik schufteten. Aber seitdem diese Fabriken in die Hände von Old Treuhand gefallen sind, seufzte Old Schlotterhand, gibt es sie nicht mehr. Fragen sie doch mal in der Stadtverwaltung bei Old Öffentliche Hand nach, meinte er schließlich, die wissen mit Sicherheit noch einiges mehr über den großen Sohn unserer Stadt. Old Öffentliche Hand überhäufte mich mit Informationsbroschüren und dem Hinweis, dass Karl Mays Geburtshaus heute ein Museum ist. Das Haus (Abb. ähnlich) war so schmal, dass ich nur seitlich quer stehend darin Platz fand. Beinahe hätte ich mich beim Hinaufsteigen in das erste Geschoss verklemmt, aber einem anderen Besucher, der sich mir als Old Helfende Hand vorstellte, gelang es, mich durch einige kräftige Schläge mit dem Buchrücken von "Der Schatz im Silbersee" aus meiner misslichen Lage zu befreien. Ein wenig begann ich zu verstehen, wieso Karl May seine Geschichten in der großen weiten Welt angesiedelt hat. In erster Linie weil es bei ihm zu Hause so eng gewesen ist. Wieder auf der Straße gelandet, fragte ich einen Passanten, ob er noch das eine oder andere Puzzlestück zu meinem Karl-May-Bild hinzufügen könne, aber er hieß Old Leere Hand und hatte nichts. Und auch vom nächsten erfuhr ich nichts, weil er Informationen generell nur gegen Bezahlung weiterzugeben bereit war. Als er mir seinen Namen nannte, war mir klar, warum. Er hieß Old Eine Wäscht Die Andere Hand. Mit einer Fülle an neugewonnenen Erfahrungen über Karl May und dessen Geburtsstadt machte ich mich schließlich wieder auf den Heimweg. Lest wieder Karl May! Mit dieser Empfehlung verabschiede ich mich für heute.
Euer Doktor Kara Ben Nemsi Effendi Winter

